Hinweise zur Ernährung und Lebensstil bei bestimmten Erkrankungen 

Eine ärztliche Empfehlung zur Ernährungsberatung kann bei bestimmten Erkrankungen erfolgen, wie z.B. Diabetes, Bluthochdruck, Übergewicht, erhöhte Blutfette oder Gicht. Bei entsprechender Notwendigkeit stelle ich Ihnen gern eine Empfehlung aus, mit welcher Sie die Möglichkeit haben, an einer professionellen Ernährungsberatung teilzunehmen und die Kosten hierfür von Ihrer Krankenkasse teilweise oder ganz erstattet zu bekommen.  

Wichtiger Hinweis: bei bestehenden chronischen Erkrankungen (insbesondere Herz-Kreislauferkrankungen und Diabetes mellitus oder koronarer Herzerkrankung) bitte vor geplanten Fastenkuren, Ernährungsumstellungen oder Ausdauersport bitte unbedingt vorher ärztlichen Rat einholen. Die nachfolgend aufgeführten Maßnahmen können helfen, Ihren Gesundheitszustand zu verbessern und medikamentöse Therapie zu reduzieren, sind aber meistens kein Ersatz dafür. Prinzipiell sollte eine wichtige, ärztlich verordnete Therapie nur nach vorheriger ärztlicher Rücksprache reduziert oder abgesetzt werden!  Bei Allergien und Unverträglichkeiten sind entsprechende Nahrungsmittel zu meiden. 

Hier ein paar Ernährungstips je nach Erkrankung, von der Sie betroffen sind 

  1. Erhöhter Blutdruck, Blutzucker und/oder Blutfette 

 

Erhöhter Blutdruck, Blutzucker oder Blutfette wirken sich negativ auf die Gesundheit aus und können positiv durch Ernährungsumstellung und weitere Lebensstiländerungen beeinflusst werden. Beispielhaft möchten wir Ihnen hier ein paar Möglichkeiten aufführen. Wir beraten wir Sie hierzu auch gern bei Ihrem Sprechstundentermin.   

Allgemein: 

  • Bewegung (optimal 3x/Woche, mindestens 20 Min, bevorzugt Ausdauersport)

  • Gewichtsreduktion (optimal BMI < 27)

  • Nikotinkarenz (Rauchstop) 

  • Alkohol reduzieren  

Ernährung: 

  • Mediterrane Kost essen

    • Fisch (2x/Woche) 

    • Gemüse (täglich, insbesondere Spinat, Rukola, Blattgemüse, rote Bete, Salat, Linsen) 

    • Pflanzenöle, z.B. Olivenöl, Rapsöl (täglich) 

  • folgende Kohlenhydrate reduzieren 

    • Kartoffeln, Nudeln, Reis, Weißbrot, Toastbrot  

    • Einfachzucker: Schokolade, Cola, Kuchen 

  • empfohlene Kohlenhydrate: 

    • Haferflocken, Vollkornbrot  

  • Vegane/Vegetarische Kost insgesamt empfehlenswert; 

  • Bei Fleisch, eher weißes Fleisch (Huhn, Pute), als rotes Fleisch (Schwein, Rind) 

  • so genanntes "Intervallfasten" wirkt sich ebenfalls positiv aus. Hierunter versteht man bestimmte Zeiträume, in denen man keine Nahrung zu sich nimmt, z.B. 12h, 14h oder 16h pro Tag kein Essen zu sich nehmen.   

 

  • Nahrungsmittel, die insbesondere Blutdruck-senkend wirken:

    • Walnüsse (20-30g /Tag)

    • Leinsamen, Leinöl

    • Pistazien

    • Granatapfel

    • Sojaeiweiß (Tofu etc.)

    • Grüner Tee und Hibiskustee (2-3 Tassen/Tag)

    • nur wenig Salz zu Mahlzeiten 

 

  • Nahrungsmittel, die insbesondere Blutfett-senkend wirken:

    • Pflanzliche Öle (Olivenöl, Rapsöl)

    • Leinsamen

    • Paranüsse

    • Avocado

    • Mandeln 

2. Fruktoseintoleranz 

Hinweise zur Ernährung bei Fruktoseintoleranz

Hierunter ist eine ungenügende Aufnahme (Resorptionsinsuffizienz) der Fruktose (Fruchtzucker) im Dünndarm zu verstehen, wodurch oftmals Blähungen und allgemeine Oberbauchbeschwerden ausgelöst werden.

Die individuelle Verträglichkeit (Toleranz) ist sehr unterschiedlich; kleine Mengen Fruktose werden in aller Regel gut toleriert. Das komplette meiden von Fruktose ist meist nicht sinnvoll. 

Ernährunqsrichtlinien

  • Bedarfsgerechte Nährstoff- und Energiezufuhr

  • leicht verdauliche, nicht blähende Kost

  • alle fruktosehaltigen Nahrungsmittel sind zu meiden

  • zum Süßen Glucose (Traubenzucker) und/oder Süßstoff in Tabletten- oder flüssiger Form verwenden

  • alle Sorbithaltigen Nahrungsmittel (z. B Diabetikergebäck/zuckerfreie Süßigkeiten) sind nicht geeignet (Sorbit wird in Fruktose umgewandelt)

  • Inhaltsstoffe bei Medikamenten (Tropfen, Säfte, Dragee-Mäntel, Getränken, industriell hergestellten Nahrungsmitteln und Fertigprodukten berücksichtigen

  • ggf. medikamentöse Vitamin- und Mineralstoffzufuhr

 

Ernährunqstherapie

  • häufig kleine Mahlzeiten: 5-6 Mahlzeiten pro Tag im Sinne einer ausgewogenen Ernährung

  • Gemüseportionen und Speisekartoffeln auf 150g pro Tag beschränken

  • Gemüsesorten mit einem höheren Gehalt als 2g/100g Fruktose sind nicht geeignet

  • Obst und daraus hergestellte Erzeugnisse sind zu meiden

 

nur geringe Mengen sind erlaubt:        

  • alle Obstsorten (z. Bsp. Ananas, Apfel, Banane, Birne, Honigmelone, Mango, Pflaume, Süßkirsche, Weintraube) und daraus hergestellte Erzeugnisse

  • Fruchtzucker, Rohrzucker, Rübenzucker

  • Honig

  • Süßigkeiten aller Art

  • Sorbit

  • Gemüse wie Grünkohl, Kohlrabi, Kürbis, Möhren, Paprikaschote, Lauch, Rote Beete, Rotkohl, Weißkohl, Zwiebeln, Rosenkohl

  • Liköre, Weine, Fruchtsäfte (auf Fruktosegehalt achten)

  • Tomatenketchup, Weizenkeime

Generell Erlaubt sind:

  • Artischocke, Aubergine, Bambussprossen, Blattsalate, Blumenkohl, grüne Bohnen, Brokkoli, Chicoree, Chinakohl, Fenchel, Gurken (gegart), Knollensellerie, Mangold, Pilze, Schwarzwurzel, Sojakeimlinge, Spargel (grün + weiß), Spinat, Staudensellerie, Teltower Rübchen, Tomate, weiße Rübe, Zucchini

3. Laktoseintoleranz

  • Kleine Mengen Laktose können durchaus konsumiert werden.

  • Die individuell verträgliche Laktose Dosis kann individuell ausprobiert werden.

  • Ein kompletter Verzicht (z.B. auf Milchprodukte) ist nicht sinnvoll. 

  • Auf eine ausreichende Zufuhr von Kalzium (Vit. D), Vitaminen, Mineralstoffen und Ballaststoffen ist zu achten.

  • Restriktive Diäten u. industriell hergestellte Fertigprodukte sollen vermieden werden.

  • Ziel ist, trotzdem eine möglichst breite Palette an natürlichen Nahrungsmitteln offen zu lassen.

  • Zur weiteren differentiaidiagnostischen Klärung der Fruktoseintoleranz sollte eine Zöliakie (Glutenunverträglichkeit) ausgeschlossen werden. 

4. Gicht 

Sowohl zur Vorbeugung als auch zur Behandlung einer Gicht ist eine Ernährungsumstellung die beste Therapie. Ziel ist eine dauerhafte Senkung des Harnsäurespiegels im Körper, um erneute Anfälle zu vermeiden und Langzeitschäden zu verhindern. Das gelingt durch drei Faktoren:

  • Purinarm essen und trinken. Die Gicht-Liga stellt online und als App einen kostenlosen Purin-Rechner bereit.

  • Normalgewicht anstreben – aber nicht durch Fastenkuren (diese können Gichtanfälle auslösen)

 

Purine sind die Stoffe, die zu Harnsäure abgebaut werden. Mehr als 200 Milligramm Purine am Tag können gefährlich werden. Um diesen Wert einzuhalten, ist es für Betroffene sinnvoll, mithilfe von Küchenwaage und einer speziellen App oder Lebensmitteltabelle die Tagespurinmengen im Blick zu behalten.

 

Ungünstig bei Gicht sind 

  • vor allem in Fleisch- und Fischerzeugnisse (hoher Puringehalt),

  • aber auch einige pflanzliche Lebensmittel, z.B. Spargel und besonders in Hülsenfrüchte weisen ebenfalls einen hohen Puringehalt auf. 

  • Linsen sind dabei purinreicher als Erbsen und sollten weniger gegessen werden.

  • Völliger Verzicht auf Purin-haltige Nahrungsmittel ist nicht nötig! Passen Sie jedoch die Menge an.

  • Die Haut von Fleisch und Fisch sowie Innereien haben die höchste Menge an Purinen.

  • Bier - auch alkoholfreies - und Alkohol sollten Gicht-Patienten wegen des Gehalts an Purinen und Fruchtzucker nur in geringen Mengen konsumieren.

 

Günstig bei Gicht sind

  • viel Gemüse, Milchprodukte und Eier.

  • ungesüßte Kräuter- und Früchtetees

  • bis drei Tassen Kaffee am Tag 

5. Hinweise zur Ernährung bei Reizblasenbeschwerden 

Reizblasenbeschwerden sind funktionelle Beschwerden der Harnblase (z.B. häufiges Wasser lassen) ohne Nachweis eines Harnwegsinfektes oder anderer organischer Störungen. Neben verhaltenstherapeutischen Maßnahmen können Reizblasenbeschwerden auch durch Ernährung positiv beeinflusst werden: 

GUT: 

  • Obst: Aprikosen, Datteln, Bananen, Pflaumen, Melonen, Birnen, Blaubeeren, Rosine

  • Gemüse: Avocados, Blumenkohl, Kartoffeln, Spargel, Sellerie, Gurke, Radieschen, Rüben, Broccoli, Auberginen, Spinat Rosenkohl, Pilze, Kürbis, Kohl, Erbsen, Kohlrabi, Karotten, Zucchini

  • Getreide: Hafer, Reis

  • Proteine: Geflügel, Rindfleisch, Lamm, Schweinefleisch, Eier, Nüsse, Fisch, Erdnussbutter

  • Milchprodukte: Milch, Käse

  • Würzmittel: —

  • Getränke: Wasser, Kaffeeersatz auf Getreidebasis Andere: Brezeln, Popcorn

 

SCHLECHT:

  • Obst: Cranberry, Grapefruit, Zitrone, Orange, Ananas Gemüse: Scharfe Paprika, Sauerkraut, Tomaten, eingelegtes  Gemüse  

  • Würzmittel: Chili, Meerrettich, fertige Salatsoßen, Essig

  • Getränke: Kaffee, Tee, karbonisierte Getränke (z. B. Cola), Bier, Wein, Sekt

  • Andere: Schokolade, scharf gewürztes Essen (z. B. indisch, mexikanisch, Thai), Pizz

  • Nahrungszusätze: Natriumglutamat, Süßstoffe

6. Histaminintoleranz 

  • Histamin ist eine natürliche Substanz, die im Eiweißstoffwechsel durch den Ab- und Umbau der Aminosäure Histidin gebildet wird. 

  • Bei einer Unverträglichkeit auf Histamin, treten Beschwerden auf, wenn zu viel Histamin in Nahrungsmitteln zugeführt wird. Das im Körper vorhandene Histamin nicht schnell genug abgebaut werden, weil die hierfür erforderlichen Enzym Diaminoxidase (DAO)  nicht in ausreichender Menge vorhanden sind.

 

Ursachen und Risikogruppen

  • betroffen sind 1 - 2 % der Deutschen, davon 80% Frauen ab dem 40. Lebensjahr

  • Allergiker

  • Personen mit einer Schilddrüsenerkrankung

  • ein erworbener DAO - Enzymdefekt, ausgelöst durch Zöliakie oder chronisch entzündliche Darmerkrankungen

 

Symptome

  • treten ganz individuell an unterschiedlichen Organen auf 

  • es dauert Minuten oder wenige Stunden, ehe nach dem Essen Beschwerden auftreten, die bis zu einem halben Tag oder länger andauem können

  • Kopfschmerzen, Migräne, Schwindel, verstopfte Nase, Husten, Herzrasen, niedriger Blutdruck, Magen- Darmbeschwerden, wie Bauchschmerzen, Blähungen, Durchfall, Hautausschläge, Juckreiz, Nesselausschlag 

Diagnostik

  • Ernährungstagebuch mit Beschwerdeprotokoll Ausschluss von anderen Unverträglichkeiten z.B. Laktose, Fruktose, Gluten Symptomfreiheit unter histaminarmer Kost 

  • Bluttest: Diaminoxidase im Serum

 

Therapie

  • Histaminarme Ernährung, eine Ernährungstabelle finden sie hier (pdf).  

  • Aufbau einer gesunden Darmflora

  • Einnahme von DAO Kapseln (Nahrungsergänzungsmittel), 15 min vor der Mahlzeit 1 Kapsel, max. 3/Tag (Kosten müssen alleine getragen werden) 

7. Hinweise zur Ernährung bei Phenprocoumon-Einnahme (Falithrom®, Marcumar® oder Coumadin®)

 

Durch die Ernährung wird der INR-(Quick)-Wert beeinflusst. Beachten Sie bitte nachfolgende Hinweise!

  • Viele der für die Gerinnung erforderlichen Bestandteile des Blutes werden unter Mitwirkung von Vitamin K in der Leber gebildet

  • Phenprocoumon ist ein Gegenspieler des natürlichen Vitamin K und hemmt deswegen die Blutgerinnung

  • Alle Nahrungsmittel oder Vitamintabletten (Vitaminpräparate), die Vitamin K enthalten, schwächen die Wirkung des Phenprocoumons ab

  • Besonders viel Vitamin K ist insbesondere enthalten in:

    • Grünem Gemüse wie Spinat, Erbsen und Bohnen

    • Kohlsorten wie Brokkoli, Blumen-, Rosen-, Grünkohl

    • Feldsalat, Kresse (Brunnenkresse) und Spargel

    • Nahrungsmittels aus Leber oder (Geflügel-) Herzen

    • Lebensmittel aus großen Mengen Aronia Frucht (Apfelbeere)

  • Es muss aber nicht auf Vitamin K-haltige Nahrungsmittel verzichtet werden

  • Sie sollten möglichst eine gleichmäßige Vitamin K Aufnahme gewährleistet, also täglich ähnliche Mengen an Vitamin K-haltigen Lebensmitteln aufnehmen

  • Achten Sie darauf, dass Sie Vitamin K-reiches Gemüse nicht an aufeinander folgenden Tagen in großen Mengen essen

  • Fettreiche Nahrung führt zu einer verstärkten Aufnahme von Vitamin K im Darm und kann damit die Wirkung des Phenprocoumon abschwächen bzw. den Bedarf an Phenprocoumon etwas erhöhen

  • Trinken Sie nur mäßige Mengen Alkohol, denn Alkohol wird ebenso in der Leber abgebaut und beeinflusst die Wirkung von Phenprocoumon